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Ich gehe, aber wohin?

Kapitel 7 – Angekommen in Münster

Goldenes Büstenreliquiar des Hl. Apostel Paulus, 3. Viertel 11. Jahrhundert, Inv. Nr. E.2, ©St.-Paulus-Dom 2026, Domverwaltung, Foto: Stephan Kube, D-48268 Greven
Goldenes Büstenreliquiar des Hl. Apostel Paulus, 3. Viertel 11. Jahrhundert, Inv. Nr. E.2, ©St.-Paulus-Dom 2026, Domverwaltung, Foto: Stephan Kube, D-48268 Greven

Der Dom zu Münster hat ein ungewöhnliches Patrozinium. Als einziger in Deutschland steht der Dom unter der Schutzherrschaft allein des Apostels Paulus. Dieses Patrozinium lässt sich das erste Mal im Jahr 889 nachweisen. Für die damalige Zeit ist die Wahl ungewöhnlich. Nur zwei Bischofssitze in der damaligen christlichen Welt hatten zuvor ebenfalls Paulus gewählt.

Der Heilige ist für den Dom von Münster sehr wichtig. Das zeigt sich nicht nur im Patrozinium. Auch den Domschatz prägt Paulus. Über die Ausstattung des mittelalterlichen Domschatzes berichten verschiedene Inventare. Diese führen zahlreiche Paulus-Reliquien auf.Auch am Kirchenbau ließ und lässt sich Paulus durch die Jahrhunderte immer wieder entdecken. Vom winzigen Knochenpartikel bis hin zum monumentalen Steinkopf: Paulus ist in Münster angekommen, um zu bleiben.

LIUDGER UND ICH

Der Bischofssitz von Münster entsteht im Jahr 805. Kaiser Karl der Große (reg. 800–814) ernennt in diesem JahrLiudger zum ersten Bischof der Stadt. Liudger ist ein friesischer Missionar. Wie Paulus ist er viel gereist, um den christlichen Glauben zu verbreiten. Seit 793 wirkt er in Münster. Er gründet hier ein Kloster. Aus dem lateinischen Begriff für Kloster, „monasterium“, leitet sich der spätere Stadtname Münster ab.

Ist es Liudger, der Paulus als Schutzpatron für seine Bischofskirche wählt? Wenn ja, warum? Die Forschung hat dazu verschiedene Thesen aufgestellt. Bereits 80 Jahre nach dem Tod Liudgers (†809) wird das Patrozinium in einer Urkunde erwähnt. In den folgenden Jahren und Jahrhunderten entwickelt sich Paulus zur Symbolfigur des Doms in Münster.

WARUM WURDE PAULUS PATRON DES DOMS IN MÜNSTER?

MEINE VEREHRUNG

Paulus war für den Dom von Münster sehr wichtig. Das zeigt sich auch im Domschatz. Laut einem Reliquienverzeichnis von 1622 stammen nach den Reliquien Jesu Christi (Herrenreliquien) und der Muttergottes mit Abstand die meisten Reliquien von Paulus.

Reliquien bezeichnen „Überbleibsel“ von Heiligen. Das können Teile der Körper sein (Knochen, Zähne, Haare) oder Gegenstände, mit denen die Heiligen in Kontakt kamen (Kleidung, Marterwerkezeuge). Auch von Gräbern oder Orten wurden Andenken mitgenommen.

Heilige sind sowohl auf der Erde durch ihren toten Körper als auch im Himmel durch ihre Seele vertreten (Doppelexistenz). Auf der Erde sind sie selbst im kleinsten Reliquienfragment stets mit ihrer Kraft gegenwärtig. Dort wo Heilige besonders verehrt werden oder ihre Reliquie vorhanden ist, können sie als Fürsprecher für die Menschen eintreten.

Reliquien werden zumeist in kostbaren Behältern aufbewahrt, den Reliquiaren. Diese waren im Dom auf dem Hochaltar und den zahlreichen weiteren Altären aufgestellt.

VEREHRUNG HEUTE

Die Verehrung von Reliquien beschränkt sich nicht allein auf das Christentum. Andere (Welt-)Religionen kennen Reliquien ebenso. Doch der Begriff „Reliquie“ besitzt heute eine erweiterte Bedeutung. Sie hat sich vom rein religiösen Bezug gelöst. Reliquie, das ist mittlerweile nicht mehr nur etwas, das zu einem Heiligen in Beziehung steht oder von ihm stammt.

Bereits beim „Künstler-Kult“ des 19. Jahrhunderts finden sich „Reliquien“ von Größen der Kulturgeschichte wie Ludwig van Beethoven. Heute sind es „Reliquien“ der Sport- oder Popwelt oder aus dem ganz privaten Kreis. Diese besitzen einen hohen emotionalen Wert für ihre Besitzer. Wie die religiösen Reliquien steht auch hier die Reliquie als Fragment für das große Ganze. Das Haar für den ganzen Menschen, das Trikot für den Sportler und den Verein.

Figuren des Liudgers und des Paulus vom ehem. Lettner des St.-Paulus-Doms

Die Verehrung Liudgers in Münster war wechselhaft. Im Zusammenhang mit den Täuferunruhen (1534/1535) kam es zu einem Wiederaufleben seiner…

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Entwürfe für die Neuverglasung des Hochchors

Die Bedeutung sowohl von Paulus als auch von Liudger für die Domgeschichte zeigt sich im Fensterentwurf des französischen Künstlers Max Ingrand. In…

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Reliquienmonstranz mit Blut-Reliquie des hl. Liudgers

Um zu verhindern in Münster beerdigt zu werden, kündigt Liudger vor seinem Tod ein Blutwunder an. Dieses solle belegen, dass Gott seinen Wunsch…

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Vita Secunda Sancti Ludgeri

Vita Secunda Sancti Ludgeri … Werden, um 1000 … Berlin, Staatsbibliothek, Inv. -Nr. Ms. Theol. Lat. Fol. 323 … Fol. 20v

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Münze, Abdruck eines Paulus-Siegels und Siegelstempel des Domkapitels

Der Dompatron Paulus entwickelt sich zum Erkennungsmerkmal des Domkapitels. In unterschiedlichen Darstellungen taucht er durch die Jahrhunderte auf…

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Münze Bischof Ottos II.

Die Bischöfe von Münster prägen Paulus ab dem Mittelalter auf ihre Münzen. Die frühesten Beispiele sind aus dem Beginn des…

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Horstmarer Napf / Pauluspokal

Am Sockel der Paulusstatuette: ASPICE PAVLINAM PAVLI SVB … IMAGINE GENTEM [Betrachte das Land des Paulus unter dem Bild … des Paulus] Am Pokalfuß:

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Tugendallegorie auf den Hl. Paulus

Reverendissimo ac Perjllustri Capitulo Cathedralis Ecclesiae … Monasteriensis: Infimus Cliens – Franciscus Philippus Senkel / … [An das hochwürdigste…

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Kopie der Amtskette des Oberbürgermeisters („Reisekette“)

Umschrift oberes Medaillon: STADT MÜNSTER – 1861 … Umschrift unteres Medaillon: FRIEDRICH WILHELM III GRÜNDER DER … STADTEORDNUNG MDCCCVIII … 1861…

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Fussballtrikot Mathys Tel, Foto: privat

Goldenes Büstenreliquiar des hl. Paulus

Die Paulusbüste ist das älteste Paulusreliquiar des Doms. Gleichzeitig ist sie das älteste erhaltene Büstenreliquiar eines christlichen Heiligen.

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Reliquienbüste des hl. Paulus

Diese Holzbüste des Heiligen entstand zeitlich ziemlich genau zwischen der goldenen und der silbernen Paulusbüste des Domschatzes. Anders als diese…

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Doppelpokal-Reliquiar

I(N)CLVSV(M)SA(NCT)I LAT(ET) hI[C] DE SA(N)GVINE PAVLI CESAR … SWITChERO QV(OD) PO(N)TIFICI DED[IT] ODDO … [[Hierin] verborgen eingeschlossen ist…

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Silberne Reliquienbüste des hl. Paulus

Verlorene Schatzinventare und verblichene Beschriftungen lassen bei einigen Reliquiaren das Wissen über die enthaltenen Reliquien verschwinden. Das…

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Paulusreliquiar

articulum ・ pauli ・ presul ・ | ・ dedit ・ hunc ・herima(n)ne … + he(n)ricus | ・ cesar ・ tibi ・ rex ・ bizancius ・ illi ・/ … [Diesen Fingerknochen des…

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Handreliquiar des hl. Paulus

Diese Hand lässt sich nur anhand der Inventare als Paulusreliquiar erkennen. Weder durch die Gestaltung noch durch eine Inschrift verweist sie auf…

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Kokosnussreliquiar

Das Kokosnuss-Reliquiar ist vermutlich das älteste erhaltene in Europa. Die fremde Herkunft des Materials steht nicht nur für Seltenheit und…

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Reliquientafel mit zugehöriger Reliquienauthentik

Domdechant Franz von Landsberg bringt 1728 Reliquien aus Rom mit. Beigefügt ist diesen eine Reliquien Authentik. Nur wenige Aspekte müssen in dem…

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HANDRELIQUIAR DES HL. PAULUS Niederrhein (?), um 1460/1470 Silber, vergoldet; Edelsteine (Topase, Saphire) Domschatz Münster, Inv.-Nr. E.39, Foto: Dr. Michael Reuter

Reliquienstatuette und Haarmedaillon der hl. Maria Magdalena

AD HONOREM DIVINAE MAIESTATIS ET DEVOTIONIS GRATIA ERGA SANCTAM MARIAM MAGDALENAM SVMMAM AMICAM DEI REVERENDVS AC PRAENOBILIS D. OTTO A DORGELOH DE…

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Haare Ludwig van Beethovens, in Glasmedaillon gefasst und Sammelband mit Miniatur, Autograf, Brief und Haaren Beethovens

Ende des 18. Jahrhunderts setzt ein Kult um Künstler ein, der religiöse Muster übernimmt. Besonders im Fokus: der Komponist Ludwig von Beethoven…

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Einzelnes Haar von Elvis Presley (1935–1977) und Ewok-Fell aus dem Film Star Wars IV, 1983

Heute stammen „Reliquien“ auch aus Filmen, von Sport- oder Musikgrößen und weltlichen Vorbildern. Moderne „Reliquienhändler“ wie The Movie Reliquary…

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Fußballtrikot von Mathys Tel; Video: Mathys Tel verschenkt sein Fußballtrikot an einen Fan

Auch dieses Fußballtrikot ist eine Reliquie „im weltlichen Sinn“. Wie die Reliquien von Heiligen für Gläubige, hat auch…

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