Ich gehe, aber wohin?
Paulusreliquiar
Münster
um 1400
Silber, vergoldet; Emaille; Bergkristall
Domschatz Münster, Inv.-Nr. E.28
articulum ・ pauli ・ presul ・ | ・ dedit ・ hunc ・herima(n)ne
+ he(n)ricus | ・ cesar ・ tibi ・ rex ・ bizancius ・ illi ・/
[Diesen Fingerknochen des Paulus gab dir, Bischof Hermann,
Kaiser Heinrich, jenem der König von Byzanz]
Wie beim Doppelpokal-Reliquiar berichtet auch dieses Reliquiar von einer kaiserlichen Reliquienstiftung. In beiden Fällen liegen zwischen der Stiftung und dem Reliquiar mehrere Jahrhunderte. Die Gründe hierfür können vielfältig sein. Befand sich die Reliquie ursprünglich woanders? Zerbrach das erste Reliquiar? Oder gefiel die alte Form nicht mehr?
Das Paulusreliquiar von 1400 zeigt eine neue, modernere Reliquiarform: Das Turmreliquiar mit Miniaturarchitektur. Es greift das Bild der Heiligen als „lebendige Steine“ des Himmlischen Jerusalems auf.
Laut Inschrift am Sockel schenkte Kaiser Heinrich diese Reliquie dem Bischof Hermann. Zuvor habe Kaiser Heinrich die Reliquie vom König von Byzanz erhalten. Es gab mehrere Kaiser namens Heinrich und auch in Münster mehrere Bischöfe namens Hermann. Aber nur zwei passen zeitlich zusammen: Bischof Hermann II. von Münster (amt. 1174–1203) und Kaiser Heinrich VI. (reg. 1191–1197).