Ich gehe, aber wohin?
Haare Ludwig van Beethovens, in Glasmedaillon gefasst und Sammelband mit Miniatur, Autograf, Brief und Haaren Beethovens
J. R. Schachner; Johann Theodor Heinrich Graf Topor Morawitzky
1. Hälfte 19. Jahrhundert
Glas; Goldeinfassung; Papier; Haare
Beethoven-Haus Bonn, Sammlung H. C. Bodmer, Inv.-Nr. HCB V 11
Großbritannien
Ende 19. Jahrhundert/ Anfang 20. Jahrhundert
Beethoven-Haus Bonn, Sammlung H. C. Bodmer, Inv.-Nr. HCB Mh 49
Ende des 18. Jahrhunderts setzt ein Kult um Künstler ein, der religiöse Muster übernimmt. Besonders im Fokus: der Komponist Ludwig von Beethoven (1770–1827). Nicht nur Manuskripte, auch seine Haare werden gesammelt. Sie werden als „kostbare Reliquien“ aufbewahrt,
wie aus dem Brief des Grafen Topor von Morawitzky hervorgeht.
Dabei wurde bei der Beschaffung seiner Haare auch vor dem Totenbett nicht Halt gemacht. Besuchende schneiden dem Toten in den Tagen bis zu seiner Beerdigung die Haare ab, sodass der Musiker am Tage seiner Beerdigung kahl gewesen sein soll.
Haare haben in der Andenkenkultur bereits lange eine wichtige Rolle inne. Aus ihnen werden Freundschaftsgaben aber auch Trauerschmuck geschaffen. Das Haar steht wie die christlichen Reliquienpartikel stets für den ganzen Menschen. Die Träger sind dadurch unmittelbar mit dem Menschen verbunden, von dem die Haare stammen.