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Ich gehe, aber wohin?

Doppelpokal-Reliquiar

Westfalen (?)

1230/1250; Bergkristall: Abbasidisch (?), 9./10. Jahrhundert

Silber; Niello; Bergkristall

Domschatz Münster, Inv.-Nr. E.34

I(N)CLVSV(M)SA(NCT)I LAT(ET) hI[C] DE SA(N)GVINE PAVLI CESAR
SWITChERO QV(OD) PO(N)TIFICI DED[IT] ODDO
[[Hierin] verborgen eingeschlossen ist Blut vom heiligen
Paulus, das Kaiser Otto Bischof Suitger geschenkt hat]

Vor allem hohe Geistliche und weltliche Regenten waren Stifter kostbarer Reliquien. Die Inschrift an diesem Reliquiar berichtet von der Schenkung einer Paulusreliquie an den Münsteraner Bischof Suitger (amt. 993–1011) durch Kaiser Otto (reg. 996–1002). Es handelt sich um „DE SA(N)GVINE PAVLI” – vom Blut des Paulus.

Neben der Reliquie im goldenen Büstenreliquiar befand sich im 11. Jahrhundert also mindestens eine zweite kostbare Paulusreliquie am Dom von Münster. Sie wurde in einer umgedrehten Schachfigur aus Bergkristall aufgenommen. Ob die Schachfigur bereits zur Schenkung gehörte, ist ungewiss. Das Reliquiar entstand erst 200 Jahre nach der Schenkung der Blutreliquie.

Foto: Dr. Michael Reuter
Foto: Dr. Michael Reuter