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Ich gehe, aber wohin?

Figuren des Liudgers und des Paulus vom ehem. Lettner des St.-Paulus-Doms

Johann Brabender

1536–1542

Sandstein

Domschatz Münster, Inv.-Nrn. E.59, E.49

Die Verehrung Liudgers in Münster war wechselhaft. Im Zusammenhang mit den Täuferunruhen (1534/1535) kam es zu einem Wiederaufleben seiner Popularität. So fand er auf dem neuen Lettner seinen Platz in einer Reihe mit Paulus und den Aposteln. Während Paulus am Anfang der Mission der Christen steht, führte Liudger diese im Bistum Münster weiter.

Das Grab Liudgers befindet sich seit 805 in Essen-Werden. Weder auf ein Grab noch auf wichtige Knochenreliquien kann man in Münster zurückgreifen. Dies ist ein Grund, warum sich in Münster kein großer (Reliquien-)Kult um Liudger entwickelt.

Zwar wird ihm im 12. Jahrhundert die Ludgeri-Kirche geweiht, doch am Dom steht er stets im Schatten des Paulus. Das ändert sich erst mit dem Niederringen der Täuferbewegung. Die Anhänger der Täufer zerstören und beschädigen während ihrer Herrschaft in Münster zahlreiche Kirchenausstattungen. Es gelingt ihnen der Überlieferung nach aber nicht, einen Ludgeri-Altar in der Überwasser-Kirche zu zerstören. Liudger steht fortan für den festen Glauben.

Als der Lettner 1536–1542 wieder aufgebaut wird, gehört Liudger genau wie Paulus selbstverständlich zum Bildprogramm dazu. Die Verbindung von Paulus und Liudger setzt sich auf den bald danach entstehenden Domkapitelskalendern fort.

HL. STEPHANUS, Johann Brabender, Münster, 1536–1542, Domschatz Münster, Inv.-Nr. E.58, Foto: Dr. Michael Reuter
HL. STEPHANUS, Johann Brabender, Münster, 1536–1542, Domschatz Münster, Inv.-Nr. E.58, Foto: Dr. Michael Reuter