Ich gehe, aber wohin?
Büsten der Propheten aus dem ehem. Hochaltarretabel
Münster (?)
um 1380/90
Silber, teilweise vergoldet
Domschatz Münster, Inv.-Nrn. E.10–E.23
Paulus wird in eine jüdische Familie geboren und jüdisch erzogen. Das Judentum zur Zeit des Paulus besteht aus unterschiedlichen Gruppen. Darunter bilden die Pharisäer, Essener und Sadduzäer die größten. Paulus sagt über sich selbst, er sei „nach dem Gesetz Pharisäer“ (Phil 3,5).
Als solcher ist er gut mit den Schriften des Judentums vertraut. Wichtigste Schrift ist der Tanach (Hebräische Bibel). Die Propheten nehmen eine wichtige Rolle darin ein. Auch im Christentum sind die Propheten bis heute wichtig. Ihre Überlieferung bildet einen Teil des Alten Testaments.
Ihnen werden in der kirchlichen Kunst oft die Apostel als Vertreter des Neuen Testaments zugeordnet. So auch im ehemaligen Hochaltar des St.-Paulus-Doms in Münster. Den Reliquienstatuetten der zwölf Apostel (NT) entsprechen zwölf Prophetenbüsten (AT). Vermutlich, da die zwölf Apostel um eine Paulusfigur und eine Figur Johannes des Täufers ergänzt wurden, ergänzte man auch die Propheten auf 14 Büsten. Dabei haben sich Doppelgänger eingeschlichen: Der Prophet Jeremias und der jüdische Gelehrte Philon sind zweimal vorhanden. Philon gehört nicht zu den Propheten des Tanach. Seine Schriften sind nicht in der Bibel aufgenommen. Warum genau er nun (zweimal) in die Gruppe aufgenommen wurde, lässt sich nicht klar beantworten.
Mehr zu den Propheten und ihre Auslegung über die Jahrhunderte: Bibel im St.-Paulus-Dom, 14 Propheten von Maria Albracht 14 Propheten – Die Bibel im Paulus Dom
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