Ich gehe, aber wohin?
Acta Pauli et Theclae
3./4. Jahrhundert n. Chr.
Papyrusfragment
Bibelmuseum der Universität Münster, Inv.-Nr. HKS 685
Die Bibel bewahrt nicht alle Geschichten über Paulus. Die Thekla-Akten entstanden im 2. Jahrhundert und wurden nicht Teil des Bibelkanons. Dennoch prägen sie das Paulusbild vieler Generationen. Sie zeigen: Überlieferung bewahrt Geschichte nicht nur. Sie deutet sie auch.
Die Acta Pauli et Theclae erzählen die Geschichte der jungen Thekla, die durch eine Predigt des Apostels Paulus bekehrt wird. Sie ändert ihr Leben radikal und wird zur ersten christlichen Märtyrerin und Missionarin.
Die Akten überliefern außerdem die älteste Beschreibung von Paulus’ Aussehen und zeigen: Unser Bild des Apostels entsteht nicht nur aus den biblischen Schriften.
Auch biblische Texte selbst sind immer wieder Veränderungen in der Überlieferung ausgesetzt. Ein Beispiel ist Junia, die Paulus im Römerbrief als bedeutende Person nennt: „Grüßt Andronikus und Junia, die zu meinem Volk gehören und mit mir zusammen im Gefängnis waren; sie ragen heraus unter den Aposteln und haben sich schon vor mir zu Christus bekannt.“ (Röm 16,7).
Im griechischen Urtext steht der weibliche Name „Junia“. Durch spätere Lesarten wurde daraus teilweise „Junias“, wodurch sie lange als Mann gesehen wurde. Erst neuere Forschung erkannte wieder die weibliche Form an. Die Einheitsübersetzung von 2016 nennt sie wieder Junia. Das zeigt: Auch biblische Texte sind bis heute beeinflusst von Überlieferung, Übersetzung und Interpretation.