Kokosnussreliquiar
Die Reliquien der Kokosnuss
Das Kokosnuss-Reliquiar wird zum ersten Mal 1558 in einem Inventar erwähnt. Über die Reliquien berichtet erst das Verzeichnis von 1622 ausführlich.
Neben der Blutreliquie von Christus (im Lamm) werden für die Kokosnuss ganze 48 Reliquien aufgezählt. Die Menge allein ist schon ungewöhnlich. Hinzu kommt die Häufung mehrerer Herren- und Muttergottesreliquien. Die für Münster wichtige Paulus-Reliquie wird nicht hervorgehoben. Die Auflistung schließt mit dem Hinweis auf „Bischof Willehad, unseren Patron“. In Münster hat es nie einen Bischof Willehad gegeben, jedoch in Bremen.
Rund 100 Jahre vor dem Reliquienverzeichnis wurden im Dom von Münster durch die Täufer viele Schätze zerstört. Möglicherweise hat man die aus dem Schutt geretteten Reliquien in der Kokosnuss zusammengezogen. Es ist auch vorstellbar, dass die Reliquien aus den Stiftungen zum Wiederaufbau und der Wiederausstattung stammen.
Von Löwen und Lämmern
Hätten Sie die bekrönende Figur ohne Tipp als Lamm erkannt? Wenn nicht, ist das nicht verwunderlich. Dieses Lamm war ursprünglich ein Löwe. Bergkristall-Flakons in Löwenform haben sich mehrfach erhalten. Sie stammen aus Nordafrika und der Region des heutigen Iraks. Für das Kokosnussreliquiar wurde dem Löwen der Kopf umgedreht und mit einem goldenen Halsband gesichert wieder aufgesetzt. Auch der Schwanz wurde angepasst.
Es stellt nun das Lamm Gottes mit der Siegesfahne (lat. Agnus Dei) dar. Dies ist ein Symbol des auferstandenen Jesus Christus. Es wundert daher nicht, dass die Lamm-Figur eine Blutreliquie Jesu aufnahm.