Ich gehe, aber wohin?
Paulus tadelt Petrus
Angelica Kauffmann nach Guido Reni
um 1776
Kupferstich
Domschatz Münster, Inv.-Nr. Gr.085
Die Darstellung zeigt Petrus und Paulus im Gespräch. Erst auf den zweiten Blick wird deutlich, dass sie sich uneinig sind. Blickrichtung, Gesten und der Gegensatz von stehender und sitzender Figur deuten dies an. Paulus selbst wird im Galaterbrief deutlich: Das Verhalten
von Petrus gegenüber nichtjüdischen Christusanhängern
sei heuchlerisch (Gal 2, 13).
Der sogenannte antiochenische Zwischenfall wird im Galaterbrief (Gal
2,11–14) geschildert. Er beschreibt einen öffentlichen Konflikt zwischen Paulus und Petrus in Antiochia.
Zunächst hat Petrus gemeinsam mit nichtjüdischen Christusgläubigen
gegessen und damit die Gemeinschaft von Juden- und Heidenchristen
praktisch gelebt. So war es beim sogenannten Apostelkonzil vereinbart
worden.
Als jedoch Gläubige aus dem Umfeld des Herrenbruders Jakobus
eintreffen, zieht sich Petrus aus Angst vor Kritik von den gemeinsamen Mahlzeiten zurück. Sein Verhalten beeinflusst andere jüdische Christen. Auch Paulus‘ Weggefährte Barnabas schließt sich dieser Entscheidung an.
Paulus kritisiert Petrus öffentlich, weil er darin einen Widerspruch
zum Evangelium sieht: Wer an Christus glaubt, soll nicht zwischen
Juden und Heiden unterscheiden. Heiden sollen nicht zur Übernahme
jüdischer Lebensweise gedrängt werden.
Der Zwischenfall wird zu einem Schlüsselereignis für das frühe Christentum. Hier spitzt sich die Frage zu, ob die Zugehörigkeit zum
Volk Gottes von der Einhaltung des jüdischen Gesetzes oder allein vom
Glauben an Christus abhängt.