Ich gehe, aber wohin?
Boot
Philip Guston
1968
Acrylic on panel
Privatsammlung/Private Collection
Der blutbefleckte Stiefel erzählt von den Spuren der Gewalt. Philip Guston malt ihn in einer Zeit von Krieg, Gewalt und gesellschaftlichen Umbrüchen. 1968 schlägt
Guston in der Malerei einen neuen Weg ein und verlässt die Abstraktion. Auch Paulus beginnt seinen Weg neu. Seine Schritte führen nicht mehr in die Verfolgung, sondern in die Verkündigung.
Im Zusammenhang mit den Reisen des Apostels Paulus liegt die Idee nahe, in Gustons Bild einen festen Wanderschuh zu erkennen. Erst beim genaueren Hinsehen entdeckt man im Schuh den Kampfstiefel.
Es ist wichtig, zwischen einer möglichen Deutung im Zusammenhang mit Paulus und Gustons eigener Intention zu unterscheiden: Guston selbst bezog das Gemälde nicht auf Paulus oder die christliche Mission. Seine Bildwelt beschäftigt sich vielmehr mit Gewalt, Fanatismus und der erschreckenden Möglichkeit, dass sich das Böse im Alltäglichen und scheinbar Harmlosen verbirgt. Die Aktivitäten des Ku-KLux-Klans in Kalifornien, der Vietnam Krieg sowie die Gräuel des Holocausts bewegten Guston sehr.
Die Blutspuren auf den „Boots“ machen aus dem gewöhnlichen Stiefel ein Zeichen von Verletzung und Gewalt.
Der junge Paulus verfolgt die ersten Christusanhänger mit Gewalt und einem fanatischen Eifer. Nach seiner Begegnung mit Christus vor Damaskus wandelt er sich und wird ein friedlicher Verkünder des Evangeliums.
Die christliche Mission verlief allerdings nicht immer friedlich, sondern war teils mit Zwang, Gewalt und politischer Macht verbunden. Das Bild von Philipp Guston erinnert uns in diesem Kapitel daher auch an eine destruktive Seite von fanatischer Mission.
vertiefendes Video zu Philip Guston (externer Link)