Ich gehe, aber wohin?
Die zwölf Apostel und Jesus Christus vom ehem. Lettner des St.-Paulus-Doms
Johann Brabender
1536–1542
Sandstein
Domschatz Münster, Inv.-Nrn. E.42–E.48, E.51, E.53–E.57
Die Apostel stammen vom ehemaligen Lettner des St.-Paulus-Doms. Sie waren einst auf der zum Kirchenschiff gewandten Seite des Lettners aufgestellt. Der Lettner trennte den Altarraum vom Kirchenschiff.
Die Apostel sitzen auf einzelnen kleinen Bänken und Stühlen. In ihren Händen halten sie zum Teil Bücher. Diese verweisen auf ihre Rolle als Gesandte, die das Wort Gottes verkünden.
Sie halten zudem unterschiedliche Gegenstände, die auf ihr Martyrium verweisen. Für ihren Glauben erlitten sie einen gewaltsamen Tod, zum Beispiel durch das
Schwert oder die Keule. Nur ein einziger Apostel trägt kein Marter Werkzeug. Es ist der Apostel Johannes. Er allein soll eines natürlichen Todes gestorben sein.
Johannes präsentiert einen Kelch, der auf ein anderes Ereignis in seinem Leben verweist.
Jesus Christus ist als Weltenrichter dargestellt. Er befand sich in der Mitte der Apostelreihe auf dem Lettner.
Vertiefungsebene Biografien der Apostel
Petrus
Unter den Aposteln bin ich der erste, der von Jesus berufen wird. Mit mir beruft er meinen Bruder Andreas.
Mein Name ist eigentlich Simon. Der Name Petrus leitet sich vom Beinamen Kefa/Kephas ab. Jesus und Paulus sprechen so von mir. Petrus ist die griechische Übersetzung.
Ich lebte zuvor als Fischer in Kafarnaum, am See von Galiläa. Dort war ich verheiratet.
Unter den Aposteln trete ich als führende Persönlichkeit hervor.. Jesus sagt zu mir: Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein. (Mt 16,19) Ich werde daher oft mit großen Schlüssel, dem Himmelsschlüssel, dargestellt. Jesus meint damit, dass ich die Fähigkeit habe, Sünden bereits auf Erden zu vergeben und so den Menschen den Zugang zum Himmelreich zu ermöglichen.
Nach der Auferstehung Jesu bin ich Teil der Jerusalemer Urgemeinde. Später gehe ich nach Rom und werde dort der erste Bischof. Bis heute folgen mir die Päpste in diesem Amt nach. In Rom finde ich meinen Tod an einem umgedrehten Kreuz.
Andreas
Als jüngerer Bruder des Apostel Petrus zähle ich zu den ersten, die von Jesus berufen werden. Zuvor war ich mit Simon Petrus Fischer am See von Genezareth.
Ich hatte davor schon Johannes den Täufer getroffen und war ihm gefolgt.
Gemäß den Überlieferungen verbreite ich den Glauben in vielen Regionen. Darunter in Albanien, Georgien und in Griechenland.
Im griechischen Patras werde ich am Kreuz getötet. Mein Kreuz hat schräge Balken, wie der Buchstabe X. Die Kreuzform wird nach mir benannt. Das Andreaskreuz ist an Bahnübergängen, aber auch auf der Flagge von Schottland zu finden.
Bartholomäus
Das Attribut in meinen Händen habe ich verloren. Es war vermutlich ein Messer. Doch kann man mich noch an einem anderen Detail erkennen: Als einziger Apostel trage ich Schuhe. Die Schuhe verweisen auf meine Aufgabe als Patron der Schuhmacher. Mein Name ist Bartholomäus und ich stamme ursprünglich aus Kana.
Ich gehe wie der Apostel Thomas nach Indien. Den Glauben verkünde ich zudem in Armenien. Dort werde ich auch hingerichtet. Seit dem 10. Jahrhundert werden meine Gebeine in Rom in der Kirche San Bartolomeo all’Isola verwahrt.
Jakobus der Ältere
Nach mir ist eine ganze Pilgerroute benannt: der Jakobsweg. Die Strecken des Jakobswegs führen aus vielen Ländern zu meinem Grab in Santiago de Compostela in Spanien.
Mich stellt man daher auch als Pilger mit Hut, Mantel und Stab dar. Auch die Jakobsmuschel als Pilgerbesteck darf nicht fehlen. Die Muschel verweist auf eine wundersame Rettung durch mich.
Zum Apostel werde ich zusammen mit meinem Bruder Johannes. Wir beide werden von Jesus nach dem Bruderpaar Simon Petrus und Andreas berufen. Ich nehme an wichtigen Ereignissen im Leben Jesu teil.
Da es unter uns Aposteln einen weiteren namens Jakobus gibt, nennt man mich den Großen oder Älteren. Der zweite Jakobus wird entsprechend als der Kleine oder Jüngere bezeichnet.
Von den Aposteln erleide ich als erster den gewaltsamen Tod. Bereits um 44 n. Chr. werde ich unter Herodes Agrippa getötet.
Darüber, wie meine Gebeine nach Spanien kommen, gibt es verschiedene Thesen.
Jakobus der Jüngere
Zur Unterscheidung des in den Evangelien zunächst genannten Jakobus den Älteren nennt man mich Jakobus den Kleinen.
Im Mittelalter werde ich mit dem Bruder Jesu, der ebenfalls Jakobus heißt, gleichgesetzt. Dagegen gibt es in der heutigen Forschung aber Einwände.
Die biblischen Texten berichten von mir ansonsten nichts. Laut Überlieferung starb ich im Jahr 62 in Jerusalem, nachdem ich von der Tempelmauer gestürzt und erschlagen wurde mit einer Keule oder einer Stange der Wäscher.
Johannes Evangelista
Zusammen mit meinem Bruder Jakobus den Älteren werde ich direkt von Jesu berufen. Zuvor waren wir Fischer am See Genezareth.
Jesus schätzt mich sehr. Ich werde zu seinem Lieblingsjünger.
Wie Matthäus wird auch mir das Verfassen weiterer Texte des Neuen Testamentes zugesprochen: das Johannes-Evangelium und die Offenbarung.
Ich sterbe einen natürlichen Tod zur Zeit Kaiser Trajans. Trajan kam erst im Jahre 98 ins Amt. Ich sterbe also lange nach Jesus und muss sehr jung gewesen sein, als ich ihn kennenlernte. Ich werde daher meist als junger Mann dargestellt.
Laut Überlieferung soll ich aus einem Giftbecher trinken. Diesen halte ich in meiner linken Hand. Das Gift verschwindet jedoch in Form einer Schlange aus dem Becher, so dass mir nichts geschieht.
Judas Thaddäus
Die Evangelisten nennen mich Thaddäus sowie Judas. Daraus entsteht mein Doppelname Judas Thaddäus. Ich bin der drittletzte von Jesus berufene Apostel.
Über meine Missionstätigkeiten gibt es unterschiedliche Berichte. Ich sterbe möglicherweise im damaligen Babylon (heute Irak) oder aber in Armenien.
Der Künstler Brabender hat mir ein heute verlorenes Attribut in die Hand gegeben. Gekleidet bin ich ganz nach der Mode des 16. Jahrhundert. Farbreste lassen die Wirkung meines Gewands auch aus der Ferne noch erahnen.
Matthäus
Mich kennt man als Matthäus und Levi, den Zöllner aus Kafarnaum. Man bezeichnet mich wie Jakobus den Jüngeren als Sohn des Alphäus.
Traditionell gelte ich als der Autor eines der vier Evangelien, dem Matthäus-Evangelium. Daher seht ihr mich hier auch nicht lesend, sondern schreibend dargestellt. Ganz in Gedanken versunken merke ich gar nicht, wie der dicke Zeh meines rechten Fußes am Schwertknauf spielt.
Die Verkündigung des Glaubens führt mich nach Afrika und Asien. Einer Überlieferung nach finde ich den Tod durch das Schwert.
Philippus
Ich stamme ursprünglich aus der Ortschaft Bethsaida am See Genezareth. Mein Name ist wie jener der Apostel Andreas und Sim(e)on (=Petrus) griechisch. Damit unterscheiden wir uns von den anderen Aposteln.
Am meisten berichtet das Johannes-Evangelium über mich.
Nach dem Tode Jesu begebe ich mich auch auf Missionsreise. Die Quellen bleiben auch hier vage.
Ich sterbe vermutlich auf dem Gebiet der heutigen Ukraine.
Mein Attribut – möglicherweise ein T-Kreuz – das ich in der linken Hand hielt, ist verschollen.
Simon
Meine Beinamen in den Evangelien sind Kananäus und der Zelot (der Eiferer). Beide verweisen auf meinen Bezug zur Widerstandsbewegung der Zeloten. Diese jüdische Gruppierung will die römische Besatzung bekämpfen und stürzen.
Obschon mit derart kämpferischen Beinamen geschmückt, berichten die Evangelien ansonsten nichts über mich. Traditionell werde ich als Verwandter Jesu angesehen. Wir könnten Cousins sein.
Nach der Auferstehung Jesu gehe ich in die Region des heutigen Irans. Diese ist damals als Babylonien bekannt. Dort finde ich den Tod durch eine Säge.
Thomas
Über mein Leben berichten die Evangelisten nicht viel.
Johannes nennt mich auch den Zwilling.
Als Jesus als Auferstandener den anderen Apostel das erste Mal erscheint, bin ich nicht dabei. Ich konnte es nicht glauben! Erst als ich ihn selbst sehe, bin ich überzeugt. Diesem Zweifel verdanke ich die Bezeichnung „der ungläubige Thomas“.
Meine Mission führt mich später bis nach Indien. Dort sterbe ich im heutigen Mylapore/Chennai bei der Verkündigung des Evangeliums.
Unter den Lettner-Aposteln steche ich ohne Bart und mit kurzen Haaren hervor. Dachte der Künstler, als er meine Skulptur schuf an den berühmten Dominikaner Thomas von Aquin? Ich ähnele ihm sehr.
Matthias
Ich zähle nicht zu den ursprünglichen zwölf Aposteln. Erst nach dem Verrat und Tod des Judas Iskariot komme ich in den Kreis der Apostel.
Es gibt verschiedene Legenden, an welchen Orten ich das Evangelium verkünde und sterbe.
Mein Grab wird schließlich in Palästina gefunden. Von dort werden meine Gebeine durch den Bischof Agritius (um 260–nach 329) nach Trier gebracht.
Ich bin dadurch der einzige Apostel, dessen Grab sich nördlich der Alpen befindet.
Der Künstler Brabender stellt mich mit mittelalterlicher Haube und dem Beil dar.